Artists as Independent Publishers

Bericht von der Hochschule der Künste Bremen

von Katrin von Maltzahn

 

 

Seit einigen Jahren gibt es einen Boom von Künstlerbüchern. Jedes Jahr werden in Eigenverlag von Künstlern und Künstlerinnen oder in Zusammenarbeit mit spezialisierten Verlagen, in kleinen und großen Auflagen, als Original oder mithilfe aller denkbaren alten und neuen Reproduktionstechniken, analog sowie digital, mit viel und wenig Produktionsbudget, mit viel und wenig Aufwand, zu hause, in den Ateliers oder Werkstätten eine Menge von Künstlerbüchern produziert und publiziert. Künstlerbücher besitzen eigene Distributionssysteme neben dem etablierten Kunst- und Büchermarkt. Dazu werden die Möglichkeiten des Internets genutzt und es finden regelmäßig weltweit spezielle Künstlerbuchmessen statt, bei denen Künstler/innen und Verleger/innen ihre Werke präsentieren, vertreiben und Netzwerke knüpfen.

Die Stadt Bremen besitzt durch das Zentrum für Künstlerpublikationen einen einmaligen Sammlungs- und Forschungsschwerpunkt in Bezug auf Künstlerbücher. Die Hochschule für Künste bietet durch ihre Studienangebote, Lehrprofile und Werkstätten viele Anknüpfungspunkte. Seit vielen Jahren finden Kooperationen und Austausch zwischen diesen beiden Institutionen, wie Seminare im Künstlerbuchzentrum, gemeinsame Tagungen und Ausstellungen, statt.

Zu einer der jüngsten solcher Veranstaltungen gehört Artists as Independent Publishers. Sie beinhaltet ein Lehrprogramm, ist internationale Kooperation, Ausstellungszyklus, Symposium und möchte beide starken Institutionen in Bremen weiter miteinander vernetzen sowie Tendenzen und Möglichkeiten in der aktuellen Kunst aktiv aufnehmen, erforschen und mitgestalten.

Das Projekt wurde von Katrin von Maltzahn initiiert und fand von Herbst 2015 bis Frühjahr 2016 im Verbund mit vier weiteren europäischen Kunstuniversitäten statt – die Universität für Angewandte Kunst Wien, Royal College London, Bergen Academy of Art and Design, Royal Institute of Art, Stockholm. Der Kern bestand aus individuellen Lehrveranstaltungen zum Thema Künstlerbuch und Publizieren als künstlerische Praxis, die parallel an den unterschiedlichen Partnerschulen durchgeführt wurden.

Die HFK begann im November 2015 mit einem zweiwöchigen Workshop, der offen für Studierende der Freien Kunst, des Design und der Digitalen Medien war. Dieser wurde von Katrin von Maltzahn und Anna Lena von Helldorff mit ca. 30 Studierenden durchgeführt und von vielen Unterstützer/innen und Lehrenden aus den Werkstätten (Marion Bösen, Bogdan Hoffmann, Carolin Klapp, Peter Liebricht, Lulu Mendelova, Martina Schöbel) begleitet.

Im Zentrum standen Auseinandersetzungen mit unterschiedlichen Formaten von Künstlerbüchern als zeitgenössisches Ausdrucksmittel von Künstler/innen und Gestalter/innen. Das Künstlerbuch wurde als Mittel für kritische Befragungen, als Plattform für Kommunikation zwischen unterschiedlichen künstlerischen Vorgehensweisen sowie als autonome künstlerische Ausdrucksform reflektiert.

Die Veranstaltung stand in engem inhaltlichen Verbund mit einer Reihe von weiteren Lehrangeboten an der HFK. Dazu gehörten Künstlerbuchseminare von Michael Glasmeier im Zentrum für Künstlerpublikationen, Mona Schierens Kolloquium Response on Agnes Martin. Arbeiten an Künstlerbüchern sowie der Kurs MY STORY — Print for the public von Andrea Rauschenbusch und Claudia Doms.


Die Teilnehmer/innen von Artists as Independent Publishers erstellten Künstlerbücher mit frei gewählten Druckmedien, Inhalten und Formaten. Alle manuellen und digitalen Techniken – von Risographie, Laserdruck, Fotokopie, Siebdruck, Radierung, Handsatz bis hin zu Schreibmaschine – kamen zum Einsatz. Der Workshop konzentrierte sich darauf, unterschiedliche künstlerische Arbeitsweisen in Form von Künstlerbüchern öffentlich zu machen. Die einzelnen Bücher konnten individuelle Themen und Formen besitzen – abhängig von den Ideen der Produzent/innen.

Während des Workshopzeitraumes fanden eine Reihe von öffentlichen Veranstaltungen mit Gästen statt. Dazu gehörten die Künstlerin und Autorin Eva Weinmayr, die in London und Göteborg arbeitet, mit ihrem Vortrag Publishing as Intervention, Fraser Muggeridge, der ein Studio für Grafikdesign in London führt, das mit vielen bekannten Künstlern zusammenarbeitet, die Gestalterin und Künstlerin Eleanor Vonne Brown, die in London X Marks the Bökship, Buchladen und Projektraum für Independent Publishing, ins Leben gerufen hat. Etliche Kolleg/innen aus dem Haus, wie Heike Kati Barath, Marion Bösen, Samuel Nyholm und Matthias Ruthenberg stellten im Rahmen des Workshops ihre eigene Arbeit mit Künstlerbüchern und ihren Blick auf das Thema vor.

Von Mai bis Dezember 2016 mündete das Projekt in gemeinsame Veranstaltungen in allen Partnerstädten. Den Auftakt bildete ein öffentliches zweitägiges Symposium mit acht internationalen Gästen in der Weserburg in Bremen. Die Verlegerin Vanessa Adler sprach zum Thema Vertrieb und Künstlerbuchmessen; die Künstler/in Burkhard Beschow, Anne Fellner und Julian Irlinger beleuchteten anhand ihrer Arbeiten das Verhältnis von Online- zum traditionellen Buchpublishing; der Künstler Bernhard Cella stellte seinen Salon für Kunstbuch und sein No-ISBN Projekt vor; die Künstlerin Dominique Hurth ging mit einer Lecture-Performance der physischen Manifestation und der Performanz eines Buches auf den Grund; Künstler und Verleger Christoph Ruckhäberle stellte seine Arbeit und seinen Verlag Lubok vor, dessen Schwerpunkt auf originalgrafischen Büchern liegt; die Künstlerin Elisabeth Tonnard präsentierte ihre künstlerische Methode, bereits existierende Materialien in ihren Büchern zu verarbeiten.

Begleitend dazu wurde eine Ausstellung im Zentrum für Künstlerpublikationen mit über 80 entstandenen Künstlerbüchern aus den fünf beteiligten Ländern eröffnet. Anschließend ist die Ausstellung nach Bergen gewandert und von dort aus zu weiteren Stationen in Stockholm, London und Wien...

 

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